Ein Social-Media-Pfarrer für die Landeskirche
Michael @gottcaster Waschhof ist nun auch hauptberuflich auf Instagram zu finden

Michael Waschhof ist 41 Jahre alt, Ruhrpottkind, Pfarrer, dreifacher Vater, Herrchen des berühmten @pastoralpudel und als @gottcaster in den sozialen Medien zu finden. Bisher beschränkte sich sein dortiges Engagement mit 10 Wochenstunden auf die Zeit des Feierabends, während er als Gemeindepfarrer in der Kirchengemeinde Wengern Vollzeit beschäftigt gewesen ist. Doch das ändert sich nun: Am 1. März 2026 hat Michael Waschhof die erste Stelle als Social-Media-Pfarrer in der Evangelischen Kirche von Westfalen angetreten.
Das, was er selbst am 7. Oktober 2024 in seinem Instagram-Account, spaßig mit durchaus ernstzunehmendem Inhalt, noch als sehnsüchtigen Wunsch formuliert hat, findet nun in Form einer neu geschaffenen sechsjährigen Projektstelle seine Umsetzung. Hiermit setzt die Evangelische Kirche von Westfalen ein sichtbares Zeichen: Kirche will auch im digitalen Raum präsent sein – mit theologischer Tiefe, Gesprächsbereitschaft und einem klaren Auftrag.
Michael Waschhof ist Gemeindepfarrer und aus eigenem Antrieb in die Social-Media-Arbeit hineingewachsen. Der Impuls entstand aus seiner Verantwortung für Nachwuchsförderung: Wenn sich junge Menschen – etwa Theologiestudierende – online informieren, müsse Kirche dort präsent und auffindbar sein.
Was ehrenamtlich begonnen hat, entwickelte schnell eine Eigendynamik. Durch Fortbildungen professionalisierte er seine Arbeit und stellte fest: In Westfalen gibt es hier strukturellen Nachholbedarf. Die neu geschaffene Projektstelle verstehe er daher als logische Weiterentwicklung – „getragen von persönlicher Begeisterung und theologischer Überzeugung“.
Schon seit mehreren Jahren ist er auf Instagram und Facebook als @gottcaster aktiv und hat dort Erfahrungen in digitaler Glaubenskommunikation gesammelt. Für ihn ist klar: Wenn Menschen täglich mehrere Stunden in sozialen Medien unterwegs sind, dürfe Kirche dort nicht fehlen. Mit einem Angebot, das auf das Medium abgestimmt sei.
Digitale Präsenz versteht er nicht als Ersatz für die Ortsgemeinde, sondern als Ergänzung und Erweiterung kirchlichen Handelns. Es gehe darum, auch die zu erreichen, die sonntags nicht zum Gottesdienst kommen, aber durchaus offen für geistliche Impulse, Fragen oder Gespräche seien.
Verkündigung in neuen Formaten
Glaubenskommunikation im digitalen Raum funktioniert anders als eine Predigt am Sonntagmorgen. Inhalte müssen zugänglich, verständlich und zugleich theologisch fundiert – oft auf wenige Sekunden heruntergebrochen – sein. Dabei setzt Waschhof auf Storytelling: Biblische Geschichten und Glaubensthemen könne er hier in lebensnaher Form erzählen, ohne sie zu vereinfachen oder zu polarisieren.
Reichweite allein ist für ihn dabei nicht der Maßstab. Kirche müsse sich nicht vollständig der Logik von Algorithmen unterwerfen, sondern dürfe bewusst eigene Akzente setzen. Qualität, Authentizität und Klarheit über das eigene „Warum“ seien entscheidend.
Dialog und digitale Seelsorge
Social Media ist für Waschhof aber kein reiner Sendekanal. Wer Impulse veröffentliche, öffne einen Raum – und müsse bereit sein, ins Gespräch zu kommen. Rückmeldungen, persönliche Nachrichten und seelsorgliche Anliegen gehören ausdrücklich dazu. Digitale Seelsorge sei eine ernstzunehmende Form kirchlichen Handelns und verlange Zeit, Aufmerksamkeit und Professionalität. Auch innerhalb der Sozialen Medien.
Die neue Stelle schafft dafür nun den nötigen Rahmen. Was bisher nebenbei lief, wird künftig bewusster Teil seines Dienstes sein und Michael Waschhof kann es kaum erwarten.
Impulsgeber und Netzwerker
Neben der eigenen inhaltlichen Arbeit versteht sich der Social-Media-Pfarrer als Ansprechpartner für Kirchenkreise und Gemeinden. Er möchte beraten, Erfahrungen weitergeben und helfen, Konzepte zu entwickeln. Dabei betont er: „Social Media ist Arbeit“. Sie brauche klare Zuständigkeiten, verlässliche Betreuung und ein realistisches Verständnis des zeitlichen Aufwands.
Dabei weiß Waschhof um den wichtigen Beitrag Ehrenamtlicher durch kreative Inhalte oder Projektformate. Doch digitale Kanäle benötigten eine kontinuierliche Begleitung und eine dauerhafte, geklärte Verantwortlichkeit. Nicht zuletzt durch die EKD-weite Vernetzung kann der frisch berufene Social-Media-Pfarrer mit wertvollen Tipps, Learnings aus seinen Fortbildungen und Beispielen, wie es gelingen kann, ehrlich und tatkräftig unterstützen.
Perspektive für die Zukunft
Langfristig wünscht sich Waschhof, dass digitale Arbeit selbstverständlicher Teil kirchlicher Praxis wird – nicht als Konkurrenz zum Analogen, sondern als organische Weiterentwicklung. Digitale und analoge Begegnungen können sich ergänzen und gegenseitig stärken, davon ist er überzeugt.
Text: Wiebke Wengel, Stabsstelle Kommunikation der Evangelischen Kirche von Westfalen