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Blind Date mit dem Rheinischen Esel     

Von Hans-Martin Julius
Pfarrerin Katharina Friedrich

Als Katharina Friedrich im September letzten Jahres im Rahmen ihrer Bewerbung mit kugelrundem Bauch ihre Probepredigt in Witten-Annen hält, ist alles noch ein bisschen anders als jetzt: Keine Kirchengemeinde am Rheinischen Esel, dafür die Pfarrkolleg:innen Anke Leuning und Carsten Griese, und viele hoffnungsfrohe Gesichter in der Kirche.

Ein dreiviertel Jahr weiter: Die hoffnungsfrohen Gesichter sind geblieben und wählen Katharina Friedrich am 8. Juni in Rüdinghausen einstimmig auf die Pfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde am Rheinischen Esel. Doch Pfarrerin Leuning bereitet sich langsam auf ihren nahenden Ruhestand vor, während Pfarrer Griese an ganz anderer Stelle in der Landeskirche an dem seinigen noch ein paar Jahre zu arbeiten hat. Kollege von Pfarrerin Friedrich wird nun ein bekanntes Gesicht: Der Prädikant und zukünftige Diakon Mark Neuhaus im IPT. Und am allerwichtigsten: Aus dem kugelrunden Bauch bei der Probepredigt ist Baby Wilma geworden.

Pfarrerin Katharina Friedrich
Pfarrerin Katharina Friedrich wurde am 8. Juni auf die Pfarrstelle in der Ev. Kirchengemeinde am Rheinischen Esel in Witten-Annen und -Rüdinghausen gewählt (Foto: hmj)

„So ein Start in einer Kirchengemeinde ist für beide Seiten immer wie ein Blind Date“, sagt Katharina Friedrich. „Man lernt sich erst so richtig kennen, wenn es losgeht, und ich bin richtig happy, dass ich mit Mark Neuhaus und Carina Schulze, der Jugenddiakonin, hier arbeiten kann. Wir sind ein richtig gutes Team!“

Über den Tellerrand

Friedrich stammt aus Dortmund und hat in Münster und Montpellier, Frankreich, Theologie studiert. Dabei hat sie nach Kräften über den Tellerrand hinausgeschaut, zum Beispiel an der katholischen Fakultät in Münster Veranstaltungen zur feministischen Theologie besucht, und Abstecher zur Philosophie und den Politikwissenschaften gemacht. „Ein Thema, an das ich mich gern erinnere, war zum Beispiel ‚Pentekostale Kirchen in Lateinamerika‘. Das wurde als Teil der Politikwissenschaft angeboten.“

Stichwort Lateinamerika: zweimal ein Jahr hat die 33-Jährige in Buenos Aires, Argentinien, für die ‚Kirche am La Plata‘ gearbeitet: Einmal im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ), und ein zweites Mal zehn Jahre später nach dem Vikariat in Herne und dem anschließenden zweiten Examen. „Die Art, wie die Kirche, bei der ich beide Male in Argentinien war, lebt, unterscheidet nicht nach Diakonie und Kirche. Es ist eine politische Art, den Glauben zu leben“, sagt Friedrich, „denn wenn man erzählt, dass Gottes Reich ein gutes Leben verspricht, und um einen herum sieht’s ganz anders aus, dann gehören Glaubensleben und politisches Leben eben zusammen.“

Nach der Rückkehr vom Auslandsvikariat arbeitete Pfarrerin Friedrich als Jugendpfarrerin in Herten. „Der Schwerpunkt lag auf queerer Gemeindearbeit, und es ging viel um Ausbildung und Begleitung von Teamern, die Schaffung von Freizeit- und Bildungsangeboten, und die Vernetzung mit anderen Playern in der Stadt. Außerdem konnte ich Themen setzen, auch bei den Konfis, wie Identitätsfindung und soziale Ungleichheit, wir haben Stolpersteinwanderungen und einen Stand beim Christopher Street Day gemacht.“

Liebevolle Gemeinschaft

In der Kirchengemeinde am Rheinischen Esel freut sie sich, „dass da gemeinsame Werte sind, die auch nach außen hin vertreten werden, zum Beispiel wenn die Gemeinde zum IDAHOBIT (Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit) die Regenbogenflagge raushängt. Ich wünsch mir eine liebevolle Gemeinschaft um mich. Das ist was ich brauche, um gerne zur Arbeit zu gehen.“

Katharina Friedrich freut sich auch darauf, nach der Fusion der beiden früheren Kirchengemeinden Annen und Rüdinghausen für die neue, größere Gemeinde da zu sein. „Anke Leuning war wohl an vielen Stellen im Fusionsprozess ein Fels in der Brandung. Mark Neuhaus und ich nehmen Supervision in Anspruch und sind auch mit Carina Schulze gut vernetzt. Als Pfarrerin muss man immer herausfinden, was eine Gemeinde gerade von einem braucht.“

An die vielen guten Dynamiken der Gemeindemitglieder, die sie schon entdeckt hat, will sie anknüpfen: „Ich glaube, hier geht es auch um ein Gefühl von Einheit. Größer machen, und im Glaubensleben zu einem Gemeinschaftsgefühl kommen.“ Dafür möchte die Pfarrerin vor allem Kontakte und Beziehungen pflegen, denn: „Daraus besteht mein Job hauptsächlich“, sagt Friedrich.

(hmj)

Von links nach rechts: Pfarrerin Katharina Friedrich, ein Esel als "Wappentier" der Gemeinde am Rheinischen Esel, Diakon i.A. Mark Neuhaus und Jugenddiakonin Carina Schulze (Foto: Ev. Kirchengemeinde am Rheinischen Esel)
Team mit Wappentier: Pfarrerin Katharina Friedrich, Diakon i.A. Mark Neuhaus und Jugenddiakonin Carina Schulze (Foto: Svenja Neuhaus)