Vom Diakon zum Koch und wieder zurück
Mark Neuhaus ist in seiner Gemeinde der berühmte „bunte Hund“, den jeder kennt. Jetzt dockt er hauptberuflich in seiner Heimatbasis an.
Mark Neuhaus in Annen einzuführen ist auf den ersten Blick wie Eulen nach Athen zu tragen. Seit seinem siebten Lebensjahr ist er in der evangelischen Kirchengemeinde am Rheinischen Esel und ihrer Vorgängergemeinde aktiv. Als Diakon (in Ausbildung) wird er am Sonntag (12. Juli) gemeinsam mit der neuen Pfarrerin Katharina Friedrich von Superintendentin Julia Holtz in seine Stelle eingeführt.

(Foto: Svenja Neuhaus)
„Ich bin so ein richtiger Jungscharler“, erzählt Neuhaus. „Uli Kegenhoff vom CVJM Annen hat mich unter seine Fittiche genommen, als ich nach dem Konfiunterricht von Kirche erstmal so richtig den Kaffee auf hatte. Der hat gesagt: ‚Ich zeig dir jetzt, wie schön Kirche sein kann!‘ Dann hat er mir alle Gruppen gezeigt. Nach ein paar Jahren hat mir auch gezeigt, wo ich Verantwortung übernehmen kann. Ab 20 hab ich Ferienfreizeiten geleitet. Uli war dabei und hat aus dem Hintergrund mitgeholfen!“
Auch den Zivildienst konnte Mark Neuhaus in seiner Gemeinde ableisten, und schließlich war der Wunsch da, am Martineum die Ausbildung zum Diakon zu machen. Drei Jahre studierte Neuhaus, bis ihm um das Jahr 2000 herum klar wurde: „Die Kirche sagt, sie haben zu viele Leute. Da hab ich mein Studium hingehangen und auf den letzten Drücker noch eine Ausbildung zum Koch im Hagener Hotel Mercure bekommen.“ Die Lehre schloss er zügig und als Kammerbester ab.
Viel Ausprobiert
„Ich hab in dem Beruf dann vieles ausprobiert. Aber irgendwann ist man in dem Alter, in dem man die Arbeitszeiten der Branche nicht mehr mitmachen will. Vormittags bis mittags, dann abends noch mal bis in die Nacht. Also bin ich zu einem Leuchtenhersteller im Sauerland und hab 15 Jahre lang als Betriebsleiter im Mitarbeiterrestaurant gearbeitet.“ Die Firma hatte auch ein offenes Ohr für ihn, als er lernbehinderte Jugendliche ausbilden wollte. „Das war toll! Geschäftsführung und Gäste haben positiv reagiert. Die haben in der Produktion sogar einen Bildschirm installiert, damit die Belegschaft per Newsticker informiert werden konnte, wie es bei den Kochwettbewerben lief, bei denen ich meine Jugendlichen angemeldet habe.“
Doch irgendwann waren die guten Zeiten in der Firma vorbei und Mark Neuhaus, der nie aufgehört hatte, sich neben dem Job für seine Kirchengemeinde zu engagieren, dachte nach: Was wäre, wenn ich nochmal an mein Studium anknüpfen könnte? Jetzt war die Landeskirche begeistert. „Die wollten eigentlich nur wissen, warum ich mich nicht schon eher gemeldet habe“, muss Neuhaus grinsen. Die alten Studienleistungen wurden anerkannt. In Bethel macht er gerade berufsbegleitend die Zusatzausbildung zum Diakon, mit der er voraussichtlich 2028 fertig ist.
Als Teil des interprofessionellen Pfarrteams (IPT) führt der 52-Jährige nun das fort, was er ehrenamtlich angefangen hat. Dabei weiß er schon, dass es manchmal anders als geplant kommt: „Für mein Konzept zum Feierabendgottesdienst waren eigentlich 25- bis 60-Jährige angedacht. Gekommen sind aber Konfis, die ihre Eltern mitbringen. Aus dem betreuten Wohnen kommt ein ganzer Tisch Rentner.“
Ein richtig gutes Konzept wollen die Drei vom IPT jetzt für ihre Zusammenarbeit und für die Gemeinde entwickeln. Pfarrerin Katharina Friedrich, Jugenddiakonin Carina Schulze und Diakon in Ausbildung Mark Neuhaus arbeiten bereits daran. Damit hat die Gemeinde am Rheinischen Esel in Annen und Rüdinghausen wieder ein komplettes Team, wenn Pfarrerin Anke Leuning im Herbst in den Ruhestand geht.
Am Sonntag (12.7., 11 Uhr) kommen alle in der Erlöserkirche (Westfeldstr. 81) zusammen, um die Einführung von Mark Neuhaus und Katharina Friedrich zu feiern. Das Konzept dafür steht schon.
(Hans-Martin Julius)

