Großer Bahnhof für eine leise Praktikerin
Festgottesdienst zur Verabschiedung von Blazenka Weber-Lorenz
„Deine Stimme gehört zu unserer Gemeinde wie die Glocken zur Kirche!“ Damit brachte Pfarrer Wolfram Linnemann das Gefühl auf den Punkt, das viele am Sonntag in der Johanniskirche hatten: Wie wird es wohl sein, wenn Blazenka Weber-Lorenz nicht mehr da ist, um ganz viele Fäden in der Gemeinde zusammenzuhalten? Am Sonntag wurde die 66-jährige Gemeindeschwester und Küsterin der evangelisch-lutherischen Johannis-Kirchengemeinde in Witten-Mitte mit einem großen Fest verabschiedet.

Linnemann nahm gemeinsam mit Pfarrerin Mareike Gintzel die Entpflichtung vor. Chor und Posaunenchor, Kirchenmusikerin Miso Kim und Absolventen der Hochschule für Kirchenmusik waren gekommen, um den Gottesdienst mitzugestalten. „Ich werde heute immer weggeschickt, wenn ich mich nützlich machen will!“, hatte Weber-Lorenz noch kurz vor dem Gottesdienst gesagt. „Ist gar nicht so einfach, jetzt plötzlich loszulassen.“ Prompt musste „Blazenka“, wie sie von den meisten hier genannt wird, zwischendurch kurz mal einspringen um die Mikros nachzujustieren, denn jahrelange Erfahrung mit der manchmal widerspenstigen Technik ist nicht so schnell zu ersetzen. Dafür bekam sie sogar Szenenapplaus.
Bei der anschließenden Feier im Gemeindehaus hatte die Hauptperson des Tages nicht viel zu sagen, denn so viele Menschen wollten ihr ihren Dank aussprechen, dass sie außer vielen bewegten „Dankeschöns“ nicht viel rausbekam. Das passte gut, denn Wolfram Linnemann hatte Blazenkas Arbeitsweise als „nicht laut, aber verlässlich“ charakterisiert. In einem Sketch nahm sich das Team selbst auf die Schippe und demonstrierte so, wie sehr immer alle auf die Kollegin zählen konnten. In die gleiche Richtung zielte ein nicht ganz ernst gemeintes „Arbeitszeugnis“, das das Presbyterium formuliert hatte.
Rolle gewürdigt
„Die Kirche lebt vom diakonischen Handeln. Blazenka hat den Dienst im Haus Gottes mit dem Dienst an den Menschen verbunden. Viele haben durch sie erlebt, dass Kirche nicht zuerst eine Institution ist, sondern ein Ort, an dem sich Menschen begegnen“, beschrieb Pfarrer Linnemann Weber-Lorenz‘ Wirken, das häufig die Aufgaben als Gemeindeschwester und Küsterin verband. „Oft ist es die Küsterin, die die Menschen zuerst in ihrer Gemeinde und der Kirche wahrnehmen. Es sind Küsterinnen und Küster, die über die Schwelle des Gotteshauses helfen. Sie hüten einen Raum, in dem etwas geschieht, das wir nicht machen können: Gottes Begegnung mit Menschen.“
Die Gemeinde wird sich umstellen müssen, zumal die Nachfolgerin oder der Nachfolger diese segensreiche Arbeit aufgrund der veränderten Situation der Kirche nur noch mit einem deutlich reduzierten Stundenkontingent wird wahrnehmen können. Die Gemeindeschwester bedauert das, will aber für einen guten Übergang zunächst noch weiter ansprechbar bleiben.
Weber-Lorenz hat in Bonn Pädagogik studiert und mit dem Diplom abgeschlossen. Über verschiedene Stationen ist sie zur Johannisgemeinde in Witten gekommen und hat dort aktiv über 28 Jahre mit angepackt. Als ihr Mann vor 13 Jahren in den Ruhestand ging, übernahm sie seine Stelle – für die Gemeinde eine glückliche Fügung, zumal Hans-Jürgen Lorenz auch nie so ganz von der Arbeit für Johannis lassen konnte. Die Lokalausgabe der WAZ schrieb 2013: „Der Küster tritt ab, lang lebe die Küsterin!“ Das hat gepasst.
(Hans-Martin Julius)