Kirche aus vielen Blickwinkeln
Michael Lingenberg hat seine Arbeit als Teil eines IPT mit Pfarrerin Heike Bundt aufgenommen
– Die Wittener Kirchengemeinden Trinitatis und Stockum freuen sich über ein neues Gesicht: Der Gemeindepädagoge und Prädikant Michael Lingenberg wird am Sonntag, 15. November um 11 Uhr in der Evangelischen Kirche auf dem Steinhügel eingeführt. Gemeinsam mit Pfarrerin Heike Bundt entsteht so das neueste interprofessionelle Pastoral-Team (IPT) im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten.

Der 58-Jährige hat sich „Kirchens“ schon aus vielen Blickwinkeln angeschaut, vor allem von innen. Als Knirps stand er in Velbert-Tönisheide vor einem Plakat, mit dem der CVJM mit einem Theaterstück warb. Da wollte er mitmachen und landete in der Jungschar. Teil dieser Gruppe zu sein, hatte fühlbare Vorteile: „Die Größeren, die mich vorher schon mal verhauen hatten, waren auch da und ließen mich plötzlich in Ruhe“, erzählt Lingenberg von teils rauhen Sitten auf dem Dorf. Doch die Begeisterung muss noch andere Gründe gehabt haben. „In der Konfi-Zeit bin ich jeden Sonntag gemeinsam mit meinem Vater in die Kirche gegangen, und nachdem das erste von damals zwei Jahren um war, habe ich den hauptamtlichen Jugendleiter gefragt, was ich tun muss, um auch ein Hauptamtlicher zu werden.“
Bis es so weit war, gab es die bekannten Stationen vom Teilnehmer zum Gruppenleiter, und auch im Zivildienst konnte Lingenberg weiter Jugendarbeit machen. „Es gab die Gruppen, einen Bibelkreis, einen Mitarbeitendenkreis, und wenn der Pfarrer krank war, habe ich ihn bei Schulgottesdiensten vertreten.“
Da die angestrebte CVJM-Sekretärsschule nur machen konnte, wer Abi oder eine abgeschlossene Berufsausbildung hatte, wurde Michael Lingenberg zunächst Industriekaufmann. Daran schloss sich der Zivildienst an. Aber dann sollte es losgehen – ging es aber doch nicht. Nach drei Tagen Vorpraktikum im fernen CVJM-Gießen schmiss er hin und ging das Thema von einer anderen Seite an: Fachabi an der Fachschule für Sozialpädagogik.
Der neue Weg erwies sich als seiner, denn neben der Vorbereitung auf den Abschluss fing der junge Mann an, in einer Einrichtung der Offenen Tür (OT) zu arbeiten. „Da habe ich dann eine für mich ganz neue Klientel kennengelernt: Junge Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft und ein Leiter, der ihnen beigebracht hat, dass im Haus friedlich miteinander umzugehen ist, auch wenn man sich draußen auf der Straße vielleicht nichts schenkt. Das hat geklappt“, endet Lingenbergs Rückblick auf diese Zeit, „und es hat mich sehr geprägt und beeindruckt!“
Nach dem Studium der Sozialpädagogik in Bochum führte ihn die erste Stelle nach Ennepetal in die Gemeinden Milspe und Rüggeberg. „Neben viel Gutem war es eine Zeit, die stark von Konflikten geprägt war. Daraus hervorgegangen ist nach ein paar Jahren aber ein starker Kreis von Mitarbeitenden: 15 Ehrenamtliche, die richtig Bock auf Jugendarbeit hatten, die regelmäßig Gruppen geleitet und im Urlaub Jugendfreizeiten gemacht haben, und alle waren willkommen. Schließlich haben wir die „Evangelische Jugend Milspe CRAZY COMPANY“ gegründet. Motto: Wir haben Platz für alle Menschen!“
Wichtig war Lingenberg immer, dass bei aller Offenheit klar war, dass es sich um Kirche handelte. „Das konnte sehr niederschwellig bis platt sein. Wir haben zum Beispiel einen Ytong-Stein als Stolperstein vor die Theke gelegt und mit Sprüchen wie „Gott schaut hinter deine Maske“ oder „Du bist geliebt“ beschriftet. Das hat immer funktioniert, denn es haben sich Gespräche über den Glauben daraus ergeben.“
Weitere Stationen für den Herzblutpädagogen waren Wuppertal-Wichlinghausen als Jugend-, OT- und OGS-Leitung, ab 2016 Leiter der Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Hagen, ab 2019 und während Corona Leitender Referent und Geschäftsführer des CVJM in Mülheim an der Ruhr. Gerade diese letzte Stelle war von zahlreichen Herausforderungen durch die Pandemie geprägt, bot aber auch Raum für viele Innovationen, die das Leben des generationenübergreifenden Vereins dort trotz Pandemie möglich und lebendig gemacht haben.
Jetzt freut sich Michael Lingenberg auf die Arbeit in Witten. Heißen Sie ihn am 15. November willkommen.
(hmj)