Absprung
Nach 27 Jahren in Sprockhövel geht Pfarrer, Bruzzelbruder und Freizeitsportler Arne Stolorz in den Ruhestand. Gefeiert wird im Freibad.
– Mehr Zeit für Familie, Sport und Erkundung einiger Ecken auf der Welt, an denen er noch nicht war – das wünscht sich Pfarrer Stolorz für das Leben, das nach der Entpflichtung durch Superintendentin Julia Holtz am 30. August auf ihn wartet. Was er zurücklässt, weiß er in guten Händen: „Die Fusion (der sechs Kirchengemeinden in Hattingen und Sprockhövel) ist super gelaufen. Man geht fair miteinander um. Es funktioniert. Und wenn alle, die nachkommen, so sind, wie die beiden jungen Kollegen Kallauch und Marek, mach ich mir um unsere Kirche überhaupt keine Sorgen!“

Dass Stolorz so lange in Sprockhövel Gemeindepfarrer sein würde, war eigentlich nicht geplant. Nach dem Studium in Münster und Heidelberg gab es rein praktische Gründe für ein Vikariat „bei einem sehr konservativen, aber auch sehr netten Pfarrer in Niederdresseldorf im südlichen Siegerland. Von da aus war es nicht ganz so weit zu meiner damaligen Freundin in Heidelberg.“ Auf Arne Stolorz war Niederdresseldorf nur bedingt vorbereitet, brachte der junge Theologe doch mit unkonventionellen Ideen viel Leben in die gemeindliche Jugendarbeit. „Meine etwas ausgeflippten Ideen wurden aber trotz anderer Traditionen gut aufgenommen“, erinnert sich Stolorz.
Interreligiöses Interesse
Unkonventionell – das zieht sich wie ein roter Faden durch die Biografie des 66-Jährigen. Ein Religionslehrer hatte ihn in seiner Schulzeit schon auf die Spur der Theologie gesetzt, indem er den jungen Arne und seine kritischen Fragen ernst nahm. Nach dem Abi arbeitete der gebürtige Iserlohner aber erstmal einige Monate als Briefträger, um anschließend zum ersten Mal für ein knappes halbes Jahr nach Asien zu reisen. Indien, Nepal, Sri Lanka und Thailand schaute er sich genauer an. Auch ein 14-tägiger Aufenthalt in einem buddhistischen Kloster gehörte dazu.
Das beeinflusste auch Stolorz‘ Interessen im Studium: „Ich wollte asiatische Religionen besser kennenlernen. Das hat mich sehr fasziniert. Von Heidelberg aus konnte ich ein Semester in Bangalore studieren und mein Interesse an interreligiösem Dialog und dem Hinduismus vertiefen.“
Später bildete sich ein anderer Interessenschwerpunkt heraus: Beim Probedienst in Haus Ortlohn bei Iserlohn stand die Männerarbeit im Vordergrund. Aus dem Probedienst wurde die erste Pfarrstelle, und ab 1997 lockte das bundesweite Kommunikationsmodell „Brücken bauen“ nach Arnsberg. „Meine Frau und ich haben uns dort aber nicht so richtig wohlgefühlt, und obwohl ich eigentlich nicht in eine Kirchengemeinde wollte, dachte ich mir: Die Sonderpfarrstellen setzen oft mindestens sieben Jahre Gemeindepfarrdienst voraus. Das probierst du jetzt. Dann kam diese sehr einladend formulierte Stellenbeschreibung aus Sprockhövel. Auf die haben sich zwar weitere 57 Pfarrerinnen und Pfarrer beworben, aber es hat geklappt! Aus den 7 Jahren sind schließlich 27 ½ geworden.“
Arne Stolorz hat die Männerarbeit weiterverfolgt. Eines der vielen Ergebnisse seiner Arbeit sind die „Bruzzelbrüder“ (mit dem „zz“ als Markenzeichen), eine Männergruppe, die gemeinsam kocht, isst, und andere Aktivitäten verfolgt. Im September geht es gemeinsam nach Norderney mit der Frage „Welche Lebenswünsche haben wir noch?“. Pfarrer Stolorz hat Spuren hinterlassen, z.B. den immer etwas anderen Gemeindebrief, den er jetzt in die Hände von Pfarrer Michelis gelegt hat. Er ging im benachbarten Matthias-Claudius-Hauses der Diakonie als Seelsorger ein und aus und hatte lange den Vorsitz des Kuratoriums inne. Mehr als zehn Jahre stand er dem Presbyterium vor. Nicht zu vergessen die Fundraising-Arbeit, oft für die Zwiebelturmkirche, in die er sich gleich beim ersten Besuch in Sprockhövel verliebt hatte.
„Geschenk auf Zeit“
Jetzt will er viel Zeit mit dem kleinen Sohn verbringen, den er mit seiner zweiten Frau hat. „Mir ist seit seiner Geburt vor drei Jahren die Begrenztheit des Lebens noch einmal auf besondere Weise klar geworden. Außerdem habe ich meine Eltern und meinen Bruder beerdigt. Meine eigene Sportlichkeit ist ein Geschenk auf Zeit – das weiß ich. Irgendwie bin ich ein Kindskopf geblieben. Aber so eine gewisse Nachdenklichkeit und Reflektion ist dazugekommen.“
Die Zeit nutzen heißt für Arne Stolorz auch, noch einmal eine physische Herausforderung anzustreben. „Berge hoch kann ich“ – das hat er mit der Besteigung des Kilimandscharo und einiger Gipfel in Asien bewiesen. „Ein gewisser Traum ist die Besteigung eines Sechstausenders in den Anden. Aber dafür müsste ich nochmal mehr trainieren.“
Dazu gehört Mut. Den wollte er auch den Paten beim ersten Freibadgottesdienst machen, weil Mutmachen eben auch etwas ist, was Paten tun sollten. Aus dem gemeinsamen, mutigen Sprung vom 5-Meter-Brett ist eine Tradition geworden. Die nächste und 21. Ausgabe des Freibadgottesdienstes wird für Arne Stolorz die letzte im Pfarrdienst sein. Los geht’s am Sonntag, 30. August um 11 Uhr im Freibad Sprockhövel, Bleichwiese 9.
(Text und Foto: Hans-Martin Julius)