Pfarrer Michael Waschhof wird hauptsächlich über seine Präsenz auf Instagram und Facebook wahrgenommen. Zu seiner Arbeit als Social-Media-Pfarrer der EKvW gehören aber auch die Beratung und das Schaffen von Grundlagen in einem Bereich, in dem die Kirche in Westfalen Nachholbedarf hat.

„In den letzten Monaten ist klarer geworden, was ich beraten kann und was nicht“, erläutert Michael Waschhof, der seit März offiziell der erste Social-Media-Pfarrer der westfälischen Landeskirche ist. Er wird oft von Menschen kontaktiert, die nur eine sehr vage Vorstellung von den Möglichkeiten haben, die Social Media der Kirche bietet. „Zu Beginn erkläre ich meist den Unterschied zwischen Öffentlichkeitsarbeit und eigener Content-Erstellung. Das führt manchmal zu recht kurzen Beratungen, weil schnell klar wird, was eine Gemeinde und ihre Mitarbeitenden leisten können und was nicht“, so Waschhof.
Öffentliche Theologie
Wer Waschhofs Account @gottcaster auf Instagram und Facebook folgt, sieht schnell, dass es dort nicht um kirchliche Veranstaltungshinweise geht. „Accounts, die sich darauf fokussieren, haben ganz klar ihre Berechtigung, gehören aber eher ins Fach Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem, was ich als @gottcaster mache, möchte ich innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) das Bewusstsein dafür schärfen, dass es sich bei dieser Arbeit um eine öffentliche Theologie handelt. Das ist am ehesten mit der kirchlichen TV- und Rundfunkarbeit zu vergleichen – in einem neuen Arbeitsfeld.“
Waschhof erinnert auch immer wieder daran, dass eine Beschränkung von Social-Media-Arbeit auf landeskirchliche Grenzen keinen Sinn macht. „Ich bin Teil eines Netzwerks. Das macht Kooperationen mit anderen Accounts im deutschsprachigen Raum möglich. Kürzlich habe ich zum Beispiel mit anderen Theologinnen und Theologen eine Reihe zu Gefühlen und den Umgang mit ihnen gemacht. Da such ich mir Leute innerhalb des Netzwerks, mit denen ich gern etwas zu einem Thema machen möchte. Eine(r) erstellt ein Design dazu, die anderen stellen ihre Beiträge zur Verfügung, und dann wird es in unserem yeet-Netzwerk gepostet.“ Jeder der beteiligten Accounts postet also dieselbe Reihe zum Thema.
Was braucht’s?
In der Beratung ist Michael Waschhof aufgefallen, dass „die jüngeren Diakon:innen, Pfarrer:innen und Gemeindepädagog:innen nicht ganz automatisch große Digitalkompetenzen haben. Eher Wischkompetenz. In Zukunft möchte ich dahin, zu erklären, was es für inhaltliche Arbeit auf Social-Media-Kanälen braucht: Strategische Leitlinien, Zielgruppenfindung, adressatengerechtes Arbeiten, Layout.“
Waschhofs neue Tätigkeit zieht langsam weitere Kreise. Beim Konfi-Tag leitete er einen Workshop zu so genannten Christfluencer:innen und ihrer Theologie; bei einer Studierendentagung für kirchliche Berufe war Waschhof als Referent für Social Media und Rechtsradikalismus – Community Management eingeladen. Auch außerhalb der Kirche ist man auf die neue Position bei der EKvW aufmerksam geworden: Kürzlich wurde der @gottcaster von der Uni Essen-Duisburg eingeladen, zu seiner Arbeit zu sprechen. „Die Vorbereitung darauf hat mir geholfen, Fragen zu formulieren“, so Waschhof. „Was ist an dem, was wir machen, typisch evangelisch bzw. christlich? Welche Brille haben wir da auf? Wie entwickelt man Mehrwert? Für mich ist die Brille die gleiche, mit der ich auch Predigten schreibe. Ich muss herausfinden, was die Menschen piekst. Das sind dieselben Fragen, die es auch in der Beratung zu stellen gilt.“
Michael Waschhof ist seit 2019 Pfarrer in Wetter-Wengern. 2021 richtete er den Instagram-Account @gottcaster ein, zunächst mit der Intention, auf diesem Kanal für Praktika im kirchlichen Bereich ansprechbar zu sein. Die Dimensionen des Projekts wurden schließlich so groß, dass die Beauftragung als Projektstelle der Landeskirche für den Bereich Social Media folgte. Im Umfang einer viertel Stelle ist Waschhof nach wie vor für die Kirchengemeinde an Elbsche & Ruhr tätig.
(Hans-Martin Julius)
Wiebke Wengel von der Stabsstelle Kommunikation der Evangelischen Kirche von Westfalen schrieb im Winter über die Arbeit von Michael Waschhof: „Ein Social-Media-Pfarrer für die Landeskirche“