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„Ich werd‘ mal Pfarrer“

Von Hans-Martin Julius
Alexander Michelis (Foto: Hans-Martin Julius)

Als Kind hatte er schon diese Ahnung. Jetzt startet Alexander Michelis als Pfarrer im Probedienst in der Kirchengemeinde Hattingen-Sprockhövel

– Alexander Michelis, 29 Jahre alt, kommt aus Gladbeck in den Kirchenkreis Hattingen-Witten. Im Vikariat war ihm dort Pfarrer Frank Grosser als Mentor zur Seite gestellt, der sein eigenes Vikariat wiederum in Winz-Baak bei Pfarrer – inzwischen -i.R. – Uwe Crone gemacht hat. Schöne kleine Kirchenwelt!

Aufgewachsen ist Michelis im katholisch geprägten Münsterland. „Zuhause hat der Glaube keine sehr große Rolle gespielt“, berichtet er, aber die evangelische Mutter hatte doch ein Interesse daran, dass der Sohn Kindergottesdienst, Konfi- und Religionsunterricht genießt. Als Genuss empfand der kleine Alexander auch die Kinderbibel: „Ich hatte schon als Sechs- oder Siebenjähriger aus eigenem Antrieb ein Interesse an der Bibel und das unbestimmte Gefühl: Ich werd‘ mal Pfarrer.“ Mit dem Vater schaute er viele Kirchen an „und konnte viel mit kirchlicher Symbolik anfangen. Ich kann keinen Grund dafür ausmachen – es war einfach da“, sagt Michelis heute.

Alexander Michelis (Foto: Hans-Martin Julius)
Die Einführung in seinen Dienst feiern die Gemeinde Hattingen-Sprockhövel und Alexander Michelis am Ostersonntag ab 10 Uhr im Gottesdienst in der St. Georgskirche (Foto: hmj)

Umso erstaunlicher, dass ihn das ganze Thema als Jugendlicher plötzlich nicht mehr gepackt hat. Erst als er für das angepeilte Lehramtsstudium der Geschichte ein zweites Fach brauchte, hat es zwischen ihm und der Theologie wieder richtig gefunkt. „Ausgelöst wurde das ausgerechnet durch Bibelkunde. Für viele ist das ein Fach, das auf wenig Gegenliebe stößt. Für mich brachte es die Reaktivierung meines Interesses an der Bibel.“

Vom Lehramt in die Gemeinde

Schließlich hängte er das Lehramtsstudium an den Nagel und widmete sich ganz der Theologie an der Uni Münster. Gleichzeitig nahm er den Faden in seiner Heimatgemeinde Wolbeck wieder auf und wurde Presbyter. Michelis: „Rational wäre wohl erstmal ein Bachelor-Abschluss im Lehramt gewesen, aber es musste das Pfarramt sein. Ich sehe mich als ein Beispiel für Berufung. Ich hab mich nicht gefragt: Wie geht es überhaupt mit der Kirche weiter? Wie sicher ist das? Wieviel verdien‘ ich da? Es war einfach klar: Das Pfarramt soll es sein.“

Das Studium ging auch unter Coronabedingungen weiter, besonders konzentriert sogar. „Ich habe einfach alle Zeit ins Studium gesteckt.“ Im September 2023 folgte das 1. Theologische Examen. „Da hab ich nochmal richtig geschwitzt. Die große wissenschaftliche Methodenvielfalt in der Theologie, alte Sprachen reaktivieren fürs Mündliche – das war ein enormer Druck und einfach ganz schön viel“, erinnert sich Alexander Michelis.

„Versöhnung“ mit der Schule

Bis vor kurzem sah die Ausbildung zum Pfarrer in Westfalen vor, dass das Vikariat immer mit dem Religionsunterricht an einer Schule zu beginnen hat. Eine Tatsache mit Konfliktpotenzial für Michelis, hatte er sich doch bewusst gegen die Schullaufbahn und fürs Pfarramt entschieden. Doch nach zwei Monaten war er mit diesem Spagat versöhnt. „Vom wissenschaftlichen Elfenbeinturm in die Realschule – das war ein heilsamer Prozess. Man muss ganz klar sein in dem, was man theologisch sagen will, denn die Jugendlichen lassen einen spüren, wenn man über ihre Köpfe hinwegspricht. Die hohe Theologie herunterzubrechen habe ich an der Schule noch mehr gelernt als im restlichen Vikariat. Es muss über die Gefühlsebene laufen.“

Und nun? „Zwei Jahre Gemeindearbeit in Hattingen-Sprockhövel. Die anderen erwarten natürlich von mir, dass ich mich einbringe. Jetzt bin ich zum ersten Mal allein ohne Mentor mit aller Verantwortung, die das Pfarramt mit sich bringt.“ Michelis ist gespannt auf die Unterschiede zwischen der Diaspora, in der er aufgewachsen ist, und „einer kernprotestantischen Ecke wie Hattingen“. Der bekennende Gottesdienst-Fan möchte als Prediger auch Geschichtenerzähler sein, weil Menschen nach seiner Erfahrung nicht nur rational, sondern vor allem auch emotional angesprochen werden möchten.

Umgekehrt betont er auch die Wichtigkeit des Zuhörens. „In Gladbeck waren die Fusionsprozesse schon viele Jahre durch. Mein Interesse an Hattingen-Sprockhövel gilt auch der Tatsache, dass die Vereinigung von sechs Gemeinden gerade erst passiert ist. Da habe ich Lust, mich einzubringen, um Menschen vielleicht auch durch Veränderungs- und Trauerprozesse zu begleiten.“ Zusätzlich zu dieser Arbeit wird der junge Pfarrer im Umfang einer Viertelstelle beim Diakoniewerk Ruhr-Witten in der Ausbildung der GemeindeSchwestern mitarbeiten.

Am 5. April, Ostersonntag, wird Alexander Michelis in seinen Dienst im Gottesdienst in der St. Georgskirche in Hattingen eingeführt.

(Hans-Martin Julius)