Wegzeichen
Passionsandachten in der Wittener Erlöserkirche führen gemeinsam zum Osterfest

– Es ist frischer als in den letzten Tagen, als ich am Donnerstagmorgen noch vor halb sechs von zuhause weggehe. Der Halbmond strahlt vom dunklen Himmel herab, aber viele Vögel singen schon was das Zeug hält. Ich laufe auf die große alte Kirche zu, die da in Witten-Annen mitten in einem großen Wohngebiet steht und sehe, dass die Türen schon halb offenstehen. Radfahrer schließen gerade ihre Räder an und unterhalten sich, doch als wir gemeinsam den dunklen Kirchraum betreten, werden wir ganz still. Der Kirchraum ist fast leer, doch Kerzen und ein Weg aus Bildern auf dem Boden leiten den Weg zum Altarraum. Eine Leinwand für den Beamer, ein Klavier, ein schlichtes Kreuz mit vielen Kerzen, die Kanzel und ein nicht ganz lebensgroßer Esel aus Holz trennen den Altarraum vom Rest der Kirche ab. Zwischen Klavier und Leinwand treten wir ein in diese kleine Kirche in der großen und nehmen im Rund der alten Mauern Platz.
Kreuzweg der Bilder
Diakon Mark Neuhaus startet in die Andacht, die diese kleine Gruppe von Frühaufstehern ein Stück weiter auf dem Weg zum Osterfest begleitet. „In der letzten Woche ging der Weg über die Autobahn“, erinnert Neuhaus, „heute sind wir in der Fußgängerzone.“ Ah, das sind zwei der Bilder, die ich eben auf dem Boden der Kirche liegen sah. Andere Szene, andere Geschwindigkeit, beide ein Stück Weg. Was erwartet uns wohl in der nächsten Woche auf diesem Kreuzweg der Bilder? Das letzte war ein Gipfelkreuz, fällt es mir wieder ein. Wir singen gemeinsam, beten, feiern Abendmahl zusammen. Alles ganz einfach – eben Andacht, nicht Gottesdienst.

Draußen bricht der Tag an. Man kann es durch die bunten Kirchenfenster sehen, und die Gruppe von knapp zwanzig Menschen schaltet aus der Ruhe der Andacht einen Gang höher. Im Kirchenschiff wird schnell die vorbereitete Tafel gedeckt. Viele helfen kurz mit, ein paar tauschen sich über das eben Gehörte aus. Bei Brötchen, selbst gemachter Marmelade und dem Kaffee, auf den alle schon gewartet haben, geht der Tag nun los. Hannah Ruzicka, die uns eben noch am Klavier begleitet hat, sitzt neben mir. Mit zwei weiteren Gästen kommen wir ins Gespräch über ihr Studium an der nahe gelegenen Westfälischen Hochschule für Kirchenmusik.
Aus der Andacht in den Tag
Andere haben andere Themen, und die ersten müssen auch schon los. Der ganz normale Tag wartet mit Arbeit, den schönen und den nicht so schönen Dingen auf uns. Um halb acht ist abgeräumt und die meisten auf dem Weg. „Und? Nächste Woche Donnerstag wieder hier?“, werde ich beim Hinausgehen gefragt? Ich antworte schmunzelnd etwas von „Naja, dieser Wecker um Viertel vor fünf …“, doch draußen weiß ich gleich: Ja, sollte ich machen. Diese besondere Zeit im Kirchenjahr, sie ist so schnell vorbei, ohne dass ich mir die Zeit genommen hätte, mich kurz damit zu beschäftigen, was sie bedeutet.
(hmj)